Hier mal wieder ein kleiner Basteltipp. Darüber, wie man Musik per PC mitschneidet und digital remastert, habe ich mich ja bereits unter http://realasmodis.blog.de/2009/09/30/musik-mitschneiden-7066613/ ausgelassen. Das dort geschilderte Verfahren eignet sich auch sehr gut, um Schallplatten und Kassetten zu digitalisieren. Allerdings muss in dem Falle der Stereoausgang der Stereoanlage mit Line-In des Computers verbunden werden.
Das kann man zwar mit einem handelsüblichen Adapterkabel machen, doch es ist je nach den baulichen Gegebenheiten nicht ganz ungefährlich - denn gerade in Altbauten mit "klassischer Nullung" tummeln sich auf der Masseleitung oftmals erhebliche, vagabundierende Rest- bzw. Überspannungen. 100 bis 170 Volt (selbst gemessen) sind keine Seltenheit! Und die Überspannung wird über Kurz oder Lang die Soundcard des Rechners zum Durchbrennen bringen oder das Mainboard killen - Überspielkabel einstecken, ein scharfes lautes "Knacks" aus den Lautsprechern und tschüss Computer (selbst erlebt)! Separate Soundcards sind da übrigens wesentlich (!) robuster als "On-Board"-Cards.

Abhilfe leistet ein Potenzialausgleichsadapter. Der ist ist einfach zu basteln, indem ein 120k-Ohm-Widerstand PRO KANAL zwischen Masse und Mittelleiter eingelötet wird. In der Praxis sieht das so aus, dass man die Cynch-Stecker aufschraubt und im jeweiligen Stecker den Widerstand zwischen beide Kontakte pappt. Dann vorsichtig zuschrauben. Die Stecker lassen sich nun allerdings nicht mehr komplett verschließen. Macht nichts - mit selbstverschweißendem Pannenband umwickeln; das gibt ihnen wieder hinreichend viel Stabilität.
Die Widerstandsgröße habe ich durch Versuch und Irrtum ermittelt. Um den Frequenzgang der Musik nicht negativ zu beeinflussen, sollten grundsätzlich nur Metallschichtwiderstände (blauer Körper!) zum Einsatz kommen. Den Potenzialausgleichsadapter lässt man permanent am Überspielkabel hängen - dann baut sich normalerweise erst gar nichts Gefährliches auf. Vor der Verbindung mit dem PC reicht es aus, die Cynch-Pole anzufassen: Wenn da nichts an den Fingern kribbelt, dann arbeitet der Adapter zufriedenstellend. Wichtig wäre noch die Anstöpsel- und Einschaltreihenfolge: Zusammenschließen von Stereoanlage und PC nur im abgeschalteten, stromlosen Zustand. Dann Stereoanlage einschalten, danach den Computer.
Abschließend vielleicht noch ein Hinweis zum obigen Stichwort "Frequenzgang": Vinyl- und Kassettenaufnahmen weisen im Vergleich zur CD-Aufnahme einen wesentlich geringeren Frequenzumfang auf. Mit geeigneter Software kann man das aber ausgleichen. Richtwerte dazu:
Kassette: Gain -3, 31 kHz ±0, 62 kHz ±0, 125 kHz ±0, 250 kHz ±0, 500 kHz ±0, 1000 kHz ±0, 2000 kHz ±0, 4000 kHz +1.5, 8000 kHz +3, 16000 kHz +4.25.
Vinyl: Gain -3, 31 kHz ±0, 62 kHz ±0, 125 kHz ±0, 250 kHz ±0, 500 kHz ±0, 1000 kHz ±0, 2000 kHz +1, 4000 kHz +2, 8000 kHz +2.5, 16000 kHz +3.
