DAS HIER ist eine wirklich herrliche Satire. Unbedingt Lesen!!!
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Gruppendynamik (II)
@ 2010-02-07 – 13:01:47
Die Vertrautheitsphase:
Hat die Gruppe es vermeiden können, im Rahmen des Machtkampfs zu stagnieren, dann entwickelt sie normalerweise ein "Wir"-Gefühl und ist bereit, Eigenverantwortung zu übernehmen. Sie wird zum Team. Die einzelnen Mitglieder akzeptieren jetzt ihre Gruppenzugehörigkeit sowie die Rollenverteilung und sind daher für Neues aufgeschlossen. Die Gruppe beginnt selbst zu planen. In dieser "Brainstorming"-Zeit erweisen sich Gruppen als am kreativsten und als am produktivsten. Gruppen in der Vertrautheitsphase: Das sind exakt die Teams, die bspw. ein Unternehmen weiter bringen. Gerade deswegen (und aufgrund ihrer leicht chaotischen Atmosphäre) neigt eine Gruppe dieses Typs dazu, sich gegenüber anderen Gruppen abzugrenzen. Eine solche Abgrenzung ist zwar nötig, damit in der Gruppe Freiräume zur Selbstgestaltung gebildet werden können, doch darf die nicht auf Kosten anderer Gruppen (Abteilungen) erfolgen, sondern muss vielmehr fair und realistisch bleiben.
Dies kann durch eine Gruppen-übergreifende Zusammenarbeit erreicht werden. Besondere Beachtung verdienen in dieser Phase die Außenseiter. Sie tun sich nicht hervor und stehen nicht im Mittelpunkt. Die Gruppe betrachtet sie meist als "nützliche Idioten" und missbraucht sie als Negativintegratoren. Doch nur allzu oft ist es gerade der intellektuell kompetentere Außenseiter (der "Andere"), der den eigentlichen "Motor" der Gruppe bildet - weil er aufgrund seiner "abweichenden Denkweise" genau im entscheidenden Moment die richtigen Impulse gibt, ohne welche die Gruppe auf der Stelle treten würde. Für die Gruppenführung bedeutet dies, dass sie präsent sein muss, um mit (viel) Einfühlungsvermögen gezielte Aktionen zur Integration und Unterstützung des Außenseiters zu realisieren. Dabei kann es erfahrungsgemäß ausgesprochen hilfreich sein, den bisherigen Außenseiter (wenn er denn die erforderlichen Fähigkeiten mitbringt) sogar zum Stellvertreter der Gruppenführung zu machen!
Die Differenzierungsphase:
In der Differenzierungsphase hat sich die chaotische Atmosphäre gelegt. Jeder wird mit seinen Stärken und Schwächen akzeptiert. Die Gruppe hat eine gute und kooperative Beziehungsatmosphäre; sie ist offen für die Kooperation mit anderen Gruppen. Interne Konflikte oder fachliche Probleme werden dabei gemeinsam bearbeitet. Eine solche Gruppe bildet ein selbständig denkendes und selbstständig arbeitendes Team, welches nur noch weniger Führung bedarf. So etwas kann allerdings den Neid anderer (weniger gut funktionierender) Gruppen wecken, welche dann versuchen, Einfluss zu nehmen. Bei den Gruppen in der Differenzierungsphase treten häufig Einzelne in den Vordergrund, welche sich durch Spontaneität auszeichnen. Es lohnt sich, solche Ideen aufzugreifen, denn sie sind i. d. R. aufgrund besserer Sachkenntnis von wesentlich ausgereifterer Natur als dies in der Vertrautheitsphase der Fall gewesen ist. Dies birgt allerdings die Gefahr in sich, dass die Gruppe in mehrere kleine Cliquen, welche nur noch isoliert Einzelaspekte eines Problems bearbeiten, zerfällt. Hier gilt es, konstruktiv kritikfähig zu sein, den Überblick zu behalten und das Gruppengefüge zu wahren. Gezielte individuelle Gespräche sind dabei nicht nur hilfreich, sondern sie stärken auch die Selbstverantwortung der Gruppenmitglieder.
Die Trennungsphase:
Bei der Trennungsphase muss differenziert werden. Handelt es sich nur um eine von vornherein zeitlich begrenzt zusammengeführte Gruppe, dann bildet die Rückschau auf Gelaufenes, das Feedback, einen Teil vom Lohn der Arbeit. Vielleicht gibt es auch noch letzte Aktionen wie z. B. ein Abschlusstreffen mit Adressenaustausch, das Verabreden von Nachtreffen etc. Eine gewisse Angst (Coming-home-Effekt), gepaart mit hoher psychischer Belastung trotz vieler organisatorische Aufgaben, ist dabei völlig normal.
Besteht die Trennung hingegen darin, ein nicht zeitlich befristetes Team auseinander zu reißen - und sei es nur durch eine wie auch immer geartete Stresserhöhung - dann leidet die Arbeitsfähigkeit der gesamten Gruppe darunter. Persönliche Animositäten treten in den Vordergrund und bewirken oftmals, dass sich die Gruppenmitglieder gegenseitig "zerfleischen". In einem solchen Fall ist die Gruppe ein für allemal tot - selbst dann, wenn im Nachhinein doch noch ausgeschiedene Mitglieder wieder ersetzt werden sollten.
Fazit:
Betrachtet man nun eine Bevölkerung unter gruppendynamischen Aspekten, so überlappen sich hier die Machtkampfphase, die Vertrautheitsphase und die Differenzierungsphase - jede Phase ist mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Das führt dazu, dass die Gruppe als Solche zu dem virtuellen Individuum "Massenmensch" mutiert, der sich gegenüber dem real existenten Individuum durch folgende Eigenschaften auszeichnet:
- Anonymität,
- Gefühlsbestimmtheit,
- Schwinden der Intelligenz,
- Schwinden der persönlichen Verantwortung.
Oder, mit anderen Worten: Der Massenmensch - die Gruppe! - ist im Gegensatz zum einzelnen Individuum unintelligent, führbar und triebgesteuert geworden. Das widerum führt zur Ausübung von Gruppenzwang auf andere (Beispiel: NSDAP im Dritten Reich). -
Gruppendynamik (I)
@ 2010-02-07 – 12:51:06
(Das Thema Gruppendynamik ist ja bei den Kommentaren zu meinem Beitrag über die "Rote Waldameise" schon mal kurz am Rande erwähnt worden. Ich will es hier mal etwas weiter ausführen, zumal ich damit sowohl als Coach wie auch als betrieblicher Ausbilder konfrontiert worden bin.)
_____________________Einleitung
Unterschiedliche Individuen haben unterschiedliche verborgene Wünsche und Motive. Da die Wünsche und Motive unbewusst aber das Verhalten steuern, verhalten sich Menschen in der Gruppe unterschiedlich. Die differenzierten Wünsche und Motive finden ihren Ausdruck in der Gruppendynamik, im Miteinander der Menschen in der Gruppe (Stichwort "Aktion und Reaktion"). Die Gruppendynamik beschreibt das Miteinander verschiedener Menschen mit unterschiedlichen Eigenschaften und Fähigkeiten - ihre Wechselwirkungen und ihr Verhalten. Gruppendynamik ist geprägt durch differierende Mentalitäten, durch das Aufeinandertreffen unterschiedlicher sozialer Herkünfte und unterschiedlicher sozialer sowie pädagogischer Erfahrungen. Werden die individuellen sozialen Bedürfnisse vernachlässigt, dann entstehen Frustration und Ärger. Es wird davon ausgegangen, dass die Eigenschaften und Fähigkeiten einer Gruppe verschieden sind von der Summe der Eigenschaften und Fähigkeiten der einzelnen Personen der Gruppe. Es existieren verschiedene Gruppenmodelle. Sie versuchen, Gesetzmäßigkeiten in Gruppen zu beschreiben. Die nachfolgenden Ausführungen stützen sich auf das so genannte "Phasenmodell der Gruppendynamik".
Das Kennenlernen der einzelnen Gruppenmitglieder untereinander - sei es auf einer Arbeitsstelle, in einem Seminar, bei einer Reisegesellschaft, im Verein, in einer Diskussionsrunde usw. - geschieht danach in fünf Stufen:
1. Fremdheitsphase,
2. Machtkampfphase,
3. Vertrautheitsphase,
4. Differenzierungsphase,
5. Trennungsphase.Wenn man diese allgemeinen Erscheinungsformen kennt, dann ist das eine wertvolle Hilfe. Man kann sich bestimmte Verhaltensweisen der Mitmenschen besser erklären, kann Ursachen herleiten und darauf angemessen reagieren. Ein solches Modell birgt allerdings die Gefahr, den Gruppenprozess starr in ein Schema pressen zu wollen. Wichtig ist daher zu wissen, dass zeitlich andere Abläufe, eventuell sogar eine andere Reihenfolge der Phasen, möglich sind.
Die Fremdheitsphase:
Die Fremdheitsphase ist dadurch gekennzeichnet, dass es bisher keine gemeinsamen Erlebnisse gegeben hat - man kennt sich nicht. Diese Phase ist von großer Unsicherheit sowie von Ängsten geprägt und daher ein stark gefühlsorientierter Zeitraum. Ablehnung und Interesse auf der einen, positive Selbstdarstellung und unsichere Zurückhaltung auf der anderen Seite wechseln miteinander ab. Die Gefahr, etwas falsch zu machen oder falsch verstanden zu werden, ist extrem hoch. Zwischen den Gruppenmitgliedern gibt es eine große körperliche Distanz. Kommunikationsprobleme sind die Regel. Die Gruppenmitglieder erwarten daher von einer wie auch immer gearteten "Führungskraft" eine starke Präsenz, welche sich u. a. in Maßstäben (z. B. Informationen über die Randbedingungen) und in Orientierungshilfen äußert. Extrovertierte Menschen haben hier die Gelegenheit, sich in den Mittelpunkt zu stellen - unabhängig von ihren eigentlichen Fähigkeiten, welche durchaus die der anderen Gruppenmitglieder weit unterschreiten können.
Wer es dabei schafft, eine positive Atmosphäre zu erzeugen und zu etablieren und zudem noch - z. B. durch gezielten Aktionismus - für das Kennenlernen der Gruppenmitglieder untereinander sorgt, der steigt zum vorläufigen Gruppenführer auf. Dies setzt allerdings bereits eine gehörige Portion an Menschenkenntnis voraus, denn es ist nötig, die Fähigkeiten der einander unbekannten Gruppenmitglieder auf Anhieb richtig einzuschätzen und die Personen ihren Fähigkeiten entsprechend optimal einzusetzen - andernfalls ist Unzufriedenheit die Folge. Wenn in dieser Phase jemand (auch ungeachtet seiner Fähigkeiten, welche die der anderen Gruppenmitglieder durchaus übersteigen können) sehr zurückhaltend bleibt, dann wird ihm dieses Verhalten von den anderen als "Schwäche" ausgelegt und er hat die besten Chancen, sich später zum "Negativintegrator" (vgl. die Machtkampfphase) zu entwickeln. Verstärkt wird diese Entwicklungsrichtung noch durch ein offensichtliches "Anderssein": Zu klug, zu still, zu krank, zu sensibel, zu alt, zu hässlich, zu dumm, zu jung, zu abweichende Interessenlage, zu erfahren, zu intelligent usw. - denn "Anderssein" wird von der Gruppe als außerhalb der Norm stehend, als Bedrohung betrachtet und eine Begründung für die Einstufung "Anders" lässt sich immer finden. Die Gruppe braucht jemanden zum Abreagieren, denn andernfalls kommt es irgendwann zum Aggressionsstau, dessen "Explosion" die gesamte Gruppe in Mitleidenschaft ziehen würde.
Wenn jemand hingegen neu zu einer bereits etablierten Gruppe stößt, dann wird von ihm die Anpassung an die bestehenden Strukturen erwartet - nicht mehr und nicht weniger. Er wird zunächst misstrauisch beäugt und häufig kontrolliert. Jede seinerseits vorgeschlagene Änderung bzw. Neuerung oder Selbständigkeit wird als Störung, als "Anderssein" und damit als Bedrohung aufgefasst - stellt sie doch einen Verstoß gegen die schon vorhandenen "Gruppennormen" dar. Ein "Neuankömmling" in einer bereits etablierten Gruppe tut folglich gut daran, sich zunächst einmal zurück zu halten - zumindest so lange, bis das Misstrauen ihm gegenüber abgeflaut ist (was z. B. in der Arbeitswelt gut und gerne ein paar Monate, i. d. R. ein halbes Jahr, in Anspruch nehmen kann!).
Die Machtkampfphase:
In der Machtkampfphase hat ein erstes, zaghaftes Kennenlernen bereits statt gefunden und es herrscht ein (instabiler) "status quo" vor, in welchem die Gruppenmitglieder sich - zumeist unbewusst - die Fragen stellen "Wer ist wie?", "Wer hat welche Rolle?", "Wo stehe ich?" und "Wo will ich hin?". Wer sich hier seiner selbst nicht sicher ist und Schwäche oder "Anderssein" zeigt, der wird sehr schnell zum Sündenbock, zum so genannten "Negativintegrator". Damit ist eine Zielperson gemeint, der seitens der Gruppe alles in die Schuhe geschoben werden kann, damit die Gruppe selbst ein vorgebliches "reines Gewissen" behält. Der Negativintegrator ist ein potenzielles Opfer, welches zum Abreagieren von Aggressionen dient. In dieser Phase zeigen die Einzelnen eine stärkere Aktivität, um festere Beziehungen zu knüpfen. Es bilden sich Cliquen mit eigenen Normen, wobei sich der Stärkste aus allen Cliquen durchsetzt (Stichwort "Recht des Stärkeren"). Der bisherige Gruppenführer kann dabei durchaus "entmachtet" werden - sofern es ihm nicht gelingt, rechtzeitig Autorität zu beweisen. Letzteres kann geschehen, indem er Regeln aufstellt, wiederholt und kontrolliert, indem er Schwache (Negativintegratoren) in den Gruppenfindungsprozess mit einbindet und durch gemeinsame Aktionen ein Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugt. Der Gruppenführer muss - um als Führungskraft akzeptiert zu werden - Konflikte schnell erkennen und lösen können.
Genau an diesem Punkt tut sich jedoch ein breites Problemspektrum auf. Konflikte erkennen (ganz zu schweigen vom Lösen) kann der Gruppenführer nur mit hinreichender Menschenkenntnis. Mangelt es an der, dann polarisiert sich die Gruppe in die drei Bereiche Führung, Mitläufer und Außenseiter. Die Führung ist extrovertiert, wird u. U. auch tyrannisch und befiehlt. Da sie sich (vielleicht auch nur unbewusst) darüber im Klaren ist, angreifbar zu sein, trachtet sie danach, alles und jeden in der Gruppe zu kontrollieren. Freiräume und Abweichlertum darf es nicht (mehr) geben; alles muss formatiert und normiert sein, damit es permanent schnell und einfach kontrollierbar ist. Festgeschriebene Parteiprogramme lassen sich ebenso wie Glaubensbekenntnisse von Religionsgemeinschaften oder aber firmeninterne Richtlinien als Beispiele heran ziehen. Die Formatierung und Normierung wird einerseits durch Bestrafung und andererseits durch Beeinflussung erreicht. Die Kommunikation mit der Gruppe wird auf das absolut notwendige Minimum beschränkt - möglichst schriftlich in Schlagworten und Phrasen, um den anderen aus dem Wege gehen zu können.
Die Gruppe selbst wird dadurch förmlich gelähmt. Sie ist desinteressiert und träge - ihr geht es nur darum, in Ruhe gelassen zu werden, um eigene Interessen verfolgen zu können. Der Ärger innerhalb der Gruppe wächst mit jedem Befehl, mit jeder Anweisung - und entlädt sich beim Negativintegrator (Beispiel: Die Juden im Dritten Reich.). Derartig konstitutionierte Gruppen tendieren dazu, narzisstisch veranlagte Personen aufzunehmen - Personen also, die sich gerne mit fremden Federn schmücken, die nach oben hin buckeln und nach unten treten ("Radfahrerpersönlichkeiten"). Gruppen mit einem nennenswerten Anteil (>30 %) solcher Persönlichkeiten reagieren nur noch, sie agieren nicht mehr. Engagement und Kreativität kann man von ihnen nicht erwarten. Letztlich führt dies zur Stagnation. Historische Beispiele wie bspw. der Mauerfall in Berlin belegen, dass derartigen Gruppen immer nur eine beschränkte Lebensdauer beschert ist - nämlich so lange, bis die Gruppenmitglieder völlig entnervt aufbegehren. Typische aktuelle Beispiele für solche Gruppen sind (größenunabhängig) Unternehmens- und Behördenhierarchien.
