Windows XP ist eigentlich gar nicht so schlecht. Im Grunde genommen ist es sogar ein ganz tolles Betriebssystem - sofern man den Rechner nicht benutzt. Wer aber mehr oder weniger intensiv mit dem Ding arbeitet (Tests, Entwicklungsarbeiten, permanente Benutzung), der kommt auch bei größter Vorsicht, höchster Sorgfalt und strengster Datendisziplin nicht umhin, das System ungefähr alle Jahre wieder neu aufsetzen zu müssen. Das geschieht erfahrungsgemäß etwa so nach dem 20. bis 30. und mit Dateisystemüberprüfung verbundenem Crash. Derartige Megaabstürze werden auf der Platte mit den (versteckten) Ordnern "FOUNDnnn" (wobei nnn für die laufende Nummer steht) verzeichnet. Ich will hier mal für alle die, die an der dabei erforderlichen Reihenfolge und am Zeitbedarf interessiert sind, die wichtigsten Schritte für das Neuaufsetzen von Windows XP aufführen (weil ich sowas im Web noch nicht gefunden habe). Mit Windows 7 dürfte es sich m. E. übrigens recht ähnlich verhalten ...
UNBEDINGT GEBRAUCHT WERDEN:
- Ein allgemeines und schlankes System zur Datenrettung (bspw. Knoppix).
- Die schon früh- und rechtzeitig erstellte, individuelle Recovery-DVD für eben DIESEN Rechner (oder aber alternativ ein viel zu teures Original-Windows).
- Ein hinreichend großer und leerer USB-Stick.
- Treiber-CDs für DIESEN Rechner.
- CD mit WLAN-Treibern für DIESEN Rechner.
- Individuelle Virenscanner-DVD für DIESEN Rechner.
- Allgemeine Installations-CD für den Scanner.
- Allgemeine Installations-CD für den Drucker.
- Allgemeine Installations-CDs für etwaige, sonstige Laufwerke.
- CD oder DVD mit portabler Anwendersoftware.
- Ggf. Office-CD bzw. -DVD.
- Allgemeine DVD mit Servicepacks und .Net-Frameworks sowie Codecs.
- Allgemeine DVD mit den Installversionen der Anwendersoftware, die man sonst noch so benötigt.
Die Datenrettungs-, Anwendersoftware-, Servicepack- und Recovery-DVDs sollte man sich tunlichst schon beizeiten - also vor dem "Abkacken" vom Windows - ganz schnell mal anfertigen, denn wenn der Rechner erstmal nicht mehr läuft, dann sieht's ohne diese Dinger echt problematisch aus! Sie sind die "Werkzeuge", ohne die eine Reparatur ziemlich aussichtslos ist. Bedeutet: Ohne diese Sachen kann man den Rechner normalerweise nur noch wegwerfen ... Es sei denn, man wechselt zu Linux.
Schritt 1 - Datenrettung mit Linux:
Der PC läuft nicht mehr. Da sind aber noch so ein paar ungesicherte Sachen drauf. Was tun? Datenrettung! Dauert je nach Umfang der zu sichernden Daten rund eine gute Stunde. Zuerst den PC einschalten und mit [Entf] oder [F2] oder [F8] oder [F10] oder [F11] oder [F12] - je nach Hersteller der Kiste - das ROM-BIOS aufrufen. Hier die Boot Priority auf CD/DVD als primäres Bootmedium umschalten und die Änderung mit [F10] speichern (Achtung - US-amerikanisches Tastaturlayout an dieser Stelle; die Tastenbelegungen entsprechen NICHT den aufgedruckten Zeichen!). Wie das im Detail abläuft ist von BIOS zu BIOS unterschiedlich und kann einen durchaus zur Verzweiflung bringen. CD/DVD-Laufwerk aufmachen, Rescue-CD/DVD einlegen, schließen und Strom abschalten. Hinreichend großen USB-Stick zur Aufnahme der zu sichernden Daten einstöpseln. Strom wieder einschalten und die Schrottkiste mit dem Rescue-System von CD/DVD booten. Bitte beachten: Als Rescue-System eignet sich theoretisch beinahe jede Linux-Live-Distribution. Allerdings sollte man auf "große" Distris wie bspw. Ubuntu an dieser Stelle ganz bewusst verzichten, da sie doch recht umfangreiche Hardwareanforderungen stellen. Bei der Datenrettung ist "weniger" eben "mehr"! Für mich ist das schlankere Knoppix hier das Mittel der Wahl, auch und gerade mit Hinblick auf den Knoppix-Startbildschirm. An dem kann man nämlich wunderbar mitverfolgen, wie die Hardware so nach und nach eingebunden wird. Treten dabei Probleme auf - die Internetanbindung einmal ausgenommen - dann sieht's schon rein "elektrisch" schlecht für den Computer aus und man sollte sich ernsthafte Gedanken darüber machen, ob sich ein Neuaufsetzen überhaupt lohnt (bzw. ob es bei Hardwaredefekten überhaupt noch machbar ist). Wenn Knoppix erstmal läuft, dann kopiert man die zu rettenden Daten einfach auf den USB-Stick. Schrottrechner danach runterfahren; Rescue-CD/DVD und Stick rausnehmen.
Schritt 2 - Recovery:
Für diesen Schritt MÜSSEN die Recovery-DVD und alle notwendigen Treiber-DVDs bereit liegen, denn ohne geht's nicht! Etwaige externe USB-Festplatten, ein USB-Drucker und ein USB-WLAN-Stick sind zu ENTFERNEN! Recovery-DVD einlegen und die Kiste damit booten. Im Verlauf des Recoverys fährt der Rechner zig Mal rauf und runter, aber das ist völlig normal. Bloß tierisch nervig, vor allem auch wegen der fehlenden Infos für den Benutzer, so dass man denken könnte, jetzt ist das Ding endgültig im Ar... Ist es aber normalerweise nicht; daher einfach auf Teufel komm raus weitermachen! Irgendwann kommt die Meldung, das man die Recovery-DVD jetzt rausnehmen kann. Geschieht das nicht und der Rechner öttelt nach über 'ner Stunde nur noch stur auf dem Recovery rum, dann sollte man sich mit dem Gedanken an einen neuen Rechner anfreunden. Irgendwann am Ende jedenfalls (sofern "nur" das Windows betroffen ist) "steht" dann da eine Windows-XP-Teletubbie-Oberfläche. Für diese Aktion muss man gut eine halbe Stunde veranschlagen. BTW: Man kann dabei versuchen, bereits eine Internet-Verbindung einzurichten. Bei eingebauten WLAN-Modems MUSS man das sogar machen. Bei USB-WLAN-Sticks ist das sinnlos. Da folgt dieser Schritt erst später. Wichtig: Beim Recovery wird die C-Partition der Festplatte platt gemacht. Komplett, total! Alle alten Daten darauf gehen flöten! Das betrifft Programme ebenso wie Windows-Hintergrundbilder, Sounds etc. Dafür werden alle ätzend-nervigen Werkseinstellungen-Systempiepse wieder eingeschaltet.
Schritt 3 - Treiber- und Virenscannerinstallation:
Windows zeigt jetzt den Assistenten für die Hardwareinstallation an. Der wird ABGEWÜRGT! Weil er nicht vernünftig funktioniert. Stattdessen erfolgt die Installation per DVD, ggf. mit Autostart und je nach Gerät. Den Anfang macht der Scanner. Danach ist normalerweise ein Neustart erforderlich. Als nächstes kommt das Internet dran, sofern ein USB-WLAN-Stick verwendet wird. Bitte beachten, dass der bspw. bei AVM erst neu beschickt werden muss (mittels Fritz!-Box). Ggf. sind auch die Anmeldedaten für den Provider neu einzugeben (unterschiedlich, je nach Gerät und Anbieter - jedenfalls sollte man diese Daten UNBEDINGT parat haben!). Die Internetverbindung muss für das Folgende bereits zur Verfügung stehen, weil schon jetzt Betriebssystemkomponenten per Web automatisch zu aktualisieren sind. Beim Recovery hat man es normalerweise mit ziemlich veralteten Daten respektive Programmen zu tun. Das betrifft insbesondere den Virenscanner. Der wird zwar im Rahmen des Recoverys automatisch wieder aufgespielt, aber in einer de facto unbrauchbaren Antikversion, welche sich nur noch im Deutschen Museum findet. Also deinstallieren und eine neuere Version aufspielen. Auch dabei muss der PC häufiger neu gebootet werden. Ferner werden aktuelle Virendefinitionen per Web bezogen und ein Komplettscan durchgeführt. Das kann dauern - je nach Umfang einer etwaig zusätzlich vorhandenen Datenpartition mehrere Stunden. Wird keine Datenpartition gescannt, dann ist Schritt 3 nach etwa anderthalb Stunden gelaufen. Der Rechner kann jetzt schon wieder zum Surfen benutzt werden - aber für kaum was anderes. Einen Sonderfall bildet Norton Antivirus: Hat man eine Uraltversion vorliegen und die auch aktiviert, dann benötigt man ein aktuelles Norton-Removal-Tool, um die von der Platte zu putzen. Man kann dazu ruhig ein veraltetes Removal-Tool verwenden, denn es verweist von sich aus auf die neuere Version im Web. Die runterladen, Norton entfernen und durch eine Update-Version (die man schon durch frühzeitigen Download auf CD parat haben sollte) ersetzen. Der Aktivierungsschlüssel wird dabei automatisch übernommen, denn das Removal-Tool lässt ihn stehen. Danach die Update-Version aktualisieren und den Komplettscan durchführen. Dauert knapp drei Stunden! Eine Live-Updatefunktion sollte - wie nervig das unweigerlich später auch noch werden wird - aus Sicherheitsgründen unbedingt eingeschaltet sein!
Schritt 4 - Drucker und zusätzliche Laufwerke einbinden:
Nun ist der Drucker fällig. Dabei UNBEDINGT BEACHTEN: LPT1-Drucker müssen VOR der Treiberinstallation angeschlossenen worden sein. USB-Drucker dürfen erst NACH der Treiberinstallation angeschlossen werden! Hier ist der Bildschirmanzeige einige Aufmerksamkeit zu widmen, denn normalerweise muss der Drucker zu einem bestimmten Zeitpunkt aus- oder eingeschaltet bzw. eingestöpselt werden. Die Software gibt dafür ein Zeitfenster von soundsoviel Minuten vor. Lässt man das ungenutzt verstreichen (weil gerade was anderes anliegt), dann schlägt die Installtion fehl! Was auch noch zu beachten ist: Normalerweise ist nach solchen Installationen ein Systemneustart erforderlich. Die Installations-CD bzw. -DVD muss dann während des Windows-Abmeldebildschirms rechtzeitig heraus genommen werden (am besten bei "Windows wird heruntergefahren..."), weil andernfalls ziemlich seltsame (und unangenehme) Dinge beim Hochfahren möglich sind. Der PC würde bei eingelegter CD oder DVD nämlich versuchen, von dem Datenträger zu booten. Manchmal geht das sogar. Meist jedoch nicht und das wird einfach übersprungen: Problemlos! Aber der erstgenannte Fall kann böse Konsequenzen mit sich bringen und alle bisherigen Arbeiten hinfällig werden lassen. Kommt auf die CD bzw. DVD an. Nun folgen die weiteren (USB-) Laufwerke und möglichst in der Installationsreihenfolge, in der auch die Laufwerksbuchstaben vergeben werden sollen. Aber: Üblicherweise wird man nicht die gewohnten Bezeichnungen erhalten. Windows würfelt das aus! An diesem Punkt angelangt sieht der Desktop wie eine Lego-Kiste aus und schreit geradezu nach der Sortierung der vielen kleinen, bunten Icons (von denen man die meisten wahrscheinlich ohnehin nie wieder braucht), damit man wenigstens etwas die Übersicht behält. Also die Taskleiste aufrufen, Startmenüordner anlegen, sortieren und überschüssige Icons auf dem Desktop löschen - er wird ohnehin binnen kürzester Zeit wieder vollgemüllt. Schritt 4 benötigt rund anderthalb Stunden.
Schritt 5 - Aufspielen erster Anwendersoftware:
Um mit dem Rechner wieder etwas anfangen zu können, benötigt er etwas an grundlegender Software. Das geht am einfachsten mit portabler Software, die als Softwarepaket einfach 1:1 von einem bereits vorhandenen Datenträger rüberkopiert wird. Damit hat man dann schon mal ein paar rudimentäre Funktionen für Office, Editoren, Audio und Video, Wartung etc. zur Hand. Aber das reicht noch längst nicht aus. Normalerweise hat man sich ja mit dem Recovery auch wieder einen Uralt-Windows-Explorer eingehandelt, den es mangels zeitgemäßer Funktionalität zu ersetzen gilt. Das Mittel der Wahl ist dabei m. E. Firefox. Nach dem Überspielen der portablen Software (die auch durchaus einen Browser mit enthalten kann bzw. sogar sollte) startet man daher einen bereits vorhandenen Browser und lädt sich die aktuellste Firefox-Version runter. Die wird installiert und zum Default-Browser gemacht. Wenn FF installiert worden ist, dann wird unter diesem Browser Youtube aufgerufen. Jetzt kommt die Mecker-Meldung, dass es am Flash-Player mangelt. Den via Firefox installieren und prüfen, ob er korrekt läuft. Nun Java.com aufrufen und die aktuellste Java-Version runterladen und installieren, wird nämlich von vielen Webseiten und auch von etlichen Programmen gebraucht. Danach den aktuellsten Adobe Reader aus dem Web ziehen und installieren; etwaige ältere und bereits im Verlauf der Treiberinstallation auf die Platte gebrachte Versionen (brauchte man zuvor für Installationsanleitungen im PDF-Format) per Systemsteuerung/Software danach deinstallieren. Jetzt den aktuellen Reader konfigurieren und alles testen. Es folgt die Installation einer geeigneten Office-Suite. Nimmt man dazu MS Office, dann MUSS der zugehörige CD-Key ebenfalls zur Hand sein, denn andernfalls funktioniert's nicht! BTW: Für alle die, die sich immer schon gefragt haben, was so ein Systemadministrator den ganzen Tag über so rumdaddelt - das hier ist die Antwort. Neben der Systempflege und dem Usersupport zählen dazu nämlich gerade auch die Lizenz- und CD-Key-Verwaltung, die Recovery-Verwaltung und ähnlicher Kleinkram. Beachten: Diese Installations- und Kopierarbeiten ziehen sich hin. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass hierbei mittendrin die Energieverwaltung des Rechners Amok läuft (Ausschalten des Monitors oder so). Das wird bei dieser Gelegenheit also auch gleich in geordnete Bahnen gelenkt. Das Aufspielen erster Anwendersoftware nimmt zirka anderthalb Stunden in Anspruch. Und obwohl immer noch sehr, sehr viel für einen wirklich funktionstüchtigen Rechner fehlt (weitere Software, Windows-Updates, Servicepacks, .NET-Frameworks, diverse Codecs usw.) kann man mit der alten Kiste an diesem Punkt angelangt doch tatsächlich schon wieder einigermaßen arbeiten. Der Zwischenstand sieht daher so aus:
- bisheriger Zeitbedarf 9 Stunden,
- bisheriger Softwareumfang 6,5 GB,
- bisheriger Umfang Windows mit Treibern und Zubehör 7,5 GB (davon ca. 2 GB für das "nackte" Windows).
Schritt 6 - Updates, Servicepacks, VB-Runtime, .NET-Framework, Codecs usw.
Jetzt kommt die eigentliche Durststrecke, denn nun wird das so genannte "Betriebssystem" halbwegs glatt gebügelt, mit all dem, was noch fehlt aufgeblasen und im Grunde genommen erst so richtig funktionsfähig gemacht. Bis hierher ist der Windows-User nämlich ein Beta-Tester und das ganze, unverzichtbare Windoof-Debugging kommt aus den Ergänzungen. Und die sind sehr, sehr umfangreich! Dazu verwende ich eine "Service"-DVD (VORHER in Erwartung schlechter Zeiten aus Microsoft-Downloads zusammengestellt, denn es ist immer besser, noch einen "Plan B" in der Hinterhand zu haben - wer das auch machen will, der achte UNBEDINGT auf die zu seinem Windows passende Sprachversion!), auf der - IN DER INSTALLATIONSREIHENFOLGE - zu finden sind:
- Windows XP SP1.
- Windows XP SP2.
- Windows XP SP3.
Beinhaltet das Recovery bereits ein SP, dann wird die Installation des schon vorhandenen Servicepacks per Fehlermeldung verweigert. Beim Servicepack 3 ist Vorsicht geboten, sofern man einen HP-Rechner besitzt oder einen älteren Virenscanner von Norton/Symantec verwendet. Beim Virenscanner sollte vor der Installation des SP3 unter "Einstellungen" die Funktion "SymProtect" deaktiviert und nach der Installation wieder aktiviert werden. Es muss andernfalls zwar keine Probleme geben, doch sie können vorkommen. Bei HP-Rechnern mit AMD-Prozessoren ist das SP3 IMMER kritisch! Hier MUSS UNBEDINGT vor dem SP3 das Patch sp37394.exe installiert werden! Andernfalls fährt der Rechner nach dem SP3 ständig rauf und runter und ist damit endgültig unbrauchbar geworden: "A problem has been detected and Windows has been shut down to prevent damage to your computer..." Wobei auch ein erneutes Recovery i. d. R. nichts mehr nützt, so dass man gleich nach Linux wechseln kann. Und, GANZ WICHTIG: SP3 ist NUR auf IE7 installierbar, NICHT auf IE8 oder höher!!! Das Problem: Will man nämlich nach IE8-installiertem SP3 Sicherheitspatches updaten, dann werden die zwar heruntergeladen, aber die anschließende Installation schlägt jedesmal fehl. Daneben können mit dem SP3 auch noch ein paar andere Macken auftreten, die dazu führen, das Konsolenfenster bemühen zu müssen, aber die Beschreibung dieser Gemeinheiten erspare ich mir hier jetzt mal. Das man nach jedem Servicepack den Rechner neu zu booten hat, versteht sich ja fast schon wieder von selbst ... Danach geht es weiter:
- .NET Framework SDK 1.1 Redistributable Package,
- .NET Framework SDK 1.1 Version 1.1,
- .NET Framework SDK 1.1 Service Pack 1.
Der Rechner muss an dieser Stelle wieder zwangsläufig neu gebootet werden. Die .NET-Frameworks stellen Komponenten (z. B. Bibliotheken) für zahllose, darauf zugreifende Anwenderprogramme zur Verfügung (z. B. für PDF-Tools, Grafikprogramme, Mediaplayer u. v. a. m.). Ohne diese Komponenten laufen später die betreffenden Programme nicht. Zwar sollte - theoretisch! - jede höhere Frameworkversion die Fähigkeiten der Vorläuferversion enthalten (das mag sogar den Tatsachen entsprechen), doch zeigt die Erfahrung, das es so nicht funktioniert und folglich (weil Programm A explizit auf Version 1.1 und Programm B explizit auf Version 2.0 zugreift usw.) alle .NET-Frameworks Stück für Stück nacheinander einzubauen sind. Das erfordert VIIIEEEL Geduld (und gigabyteweise Speicherplatz)! Also, weiter geht's (jetzt gaaaanz viel Zeit mitbringen):
- .NET Framework SDK 2.0 Redistributable Package,
- .NET Framework SDK 2.0 Version 2.0,
- .NET Framework SDK 2.0 Service Pack 2.
Das kann man eigentlich nur am Nachmittag starten, bis zum späten Abend beobachten und dann über Nacht laufen lassen, weil alleine die Version 2.0 zehn Stunden beansprucht. Danach muss man den Rechner zwar nicht neu booten, sollte es vorsichtshalber aber doch tun. Nach erfolgter Installation des gesamten .NET 2.0 - der PC MUSS jetzt neu gebootet werden! - beginnt Windows bereits, sich bergeweise Updates aus dem Internet zu ziehen. Dabei ist hinsichtlich der Frameworks jetzt erst "Halbzeit"! Bei den folgenden Frameworks werden dann schon während der Installation zusätzlich benötigte Komponenten per Web bezogen; die Verbindung muss also "stehen". Ergo geht das Elend weiter mit:
- .NET Framework SDK 3.0 Redistributable Package,
- .NET Framework SDK 3.5 Redistributable Package,
- .NET Framework SDK 3.5 SP1 Full Package.
Auch danach ist wieder ein Booten fällig. Aus welchen Komponenten das .NET 4.0 im einzelnen besteht weiß ich nicht, denn das spiele ich von der "Großen Microsoft DVD PC Welt 12/2010" komplett auf:
- .NET Framework SDK 4.0.
Selbstverständlich muss auch danach neu gebootet werden (darin hat man ja inzwischen schon Übung!). Windows zieht sich in Folge knapp 130 Updates, die erst einmal zu installieren sind, bevor es weitergehen kann; danach Neustart. Ach ja, was noch bemerken wäre: Windoof "kackt" bei der .NET-Framework-Installation alle möglichen Laufwerke mit kryptischen Ordnern namens "ea4ft543bgd_irgendwas" voll. Die gilt es zu finden und manuell zu löschen, wenn man seinen Datenträger sauber halten will. Das sind nur temporäre Ordner zum Entpacken der .NET- und der Update-Komponenten, aber sowas Profanes wie "Werkzeug nach Benutzung wieder wegräumen" kann man ja offensichtlich von Microsoft nicht erwarten! Weiter geht es danach mit den VB Runtime Bibliotheken (Downloads aus dem Web), auf die in VB programmierte Software zugreift:
- VBRUN100.DLL, VBRUN200.DLL und VBRUN300.DLL werden in den System-Ordner kopiert.
- VBRUN4.exe, VBRUN50.exe und VBRUN600.exe müssen hintereinander weg installiert werden (VBRUN4 nur entpacken und in den System-Ordner schieben).
Wenn die VB Runtimes drauf sind wird wieder neu gebootet, auch wenn das System nicht danach verlangt - denn macht man keinen Neustart, dann hängt sich der Rechner auf. Zuletzt werden nun noch die XP Codecs zum Abspielen der gängigen Audio- und Videoformate (MP3, XviD, AVI, OGG usw. - Download aus dem Internet oder von der selbstgebastelten "Service"-DVD) eingebaut:
- XP-Codec-Pack.
Auch jetzt ist wieder in Neustart nötig, obwohl nicht explizit danach verlangt wird. Der Schritt 6 hat mittlerweile gut 13 Stunden beansprucht. Zwischenstand: Das längste Virus der Welt ist OHNE Anwendersoftware bereits auf 20 GB angeschwollen und liegt eigentlich erst jetzt in einer wirklich verwendbaren Form vor. Das Betriebssystem "steht"! Bis an diesen Punkt waren das 22 Stunden an reiner Arbeitszeit. Zum Vergleich: Ubuntu-Linux in den Distros "DreamStudio" oder "UltimateEdition" kann alles das, was Windows jetzt kann, auch (sogar noch viel mehr!), beinhaltet dabei bereits ALLE Anwendersoftware, ist kostenlos, ist sicherer als Windows und benötigt inklusive der Anwendersoftware nicht mal 10GB! Bloß das Booten der Linux-Systeme dauert länger.
Schritt 7 - Installation von Anwendersoftware:
Nun wird auch noch die letzte der für DIESES Betriebssystem sicherheitshalber vorab angefertigten CDs eingesetzt u. d. h. es kommt zur Installation meiner ganz individuell permanent benötigten Anwendersoftware. Bei mir ist das (in Reihenfolge; alle anderen wichtigen Sachen sind ja in Schritt 5 schon portabel draufkopiert worden):
- TweakUI für Windows XP (um später ein paar Feineinstellungen und Systembeschleunigungen vornehmen zu können).
- WinZIP (wegen der ZIP-Funktionalität; eine unbegrenzt verwendbare Trial-Version).
- Ghostwrite und Ghostview (damit später die PDF-Druckertreiber laufen).
- BOD-OneVision (ein uralter PDF-Druckertreiber, der zwar verdammt große PDFs erstellt, dafür aber in Top-Qualität, was speziell Abbildungen betrifft; OpenOffice u. ä. reicht da nicht heran).
- SUPER (Videokonvertierung, damit man z. B. Musikclips auch mal auf dem Handy hat).
- PSP5 (eine zwar uralte - da für Win98 gedachte - jedoch freie Version von Paint Shop Pro, reicht für vieles aus).
- CoolEdit (eine Win98-Demo der professionellen Audiobearbeitung, die das portable Audacity recht gut ergänzt).
- ShootTheMessenger (ein kleines Tool, um die gigantische Sicherheitslücke des MS-Messengers zu stopfen).
- PDF X4 LE (eine Druckumleitung in PDF-Dateien, erzeugt sehr kleine PDFs, die sich gut für den Versand per Mail eignen).
- NetWatch (Netzwerküberwachung, damit ich sehen kann, was in meinem Heimnetzwerk los ist).
- MuralPix (ein Wallpaper Changer mit Kalenderfunktion; ganz praktisch).
- RunIt (ein Schnellstarter, irre praktisch).
- Google Earth (wird per Web bezogen; weil ich das häufiger mal brauche).
- WinAmp (wird per Web bezogen und ist mein Lieblingsplayer, da unkompliziert).
- Luffi (wird per Web bezogen und liefert ein Application Center für Windows; so, wie man es von Linux her kennt oder vom Smartphone her gewohnt ist; absolut UNVERZICHTBAR!).
Wenn das alles installiert worden ist (dauert rund 5 Stunden) - üblicherweise mit Neustarts verbunden - dann habe ich den Rechner fast schon wieder im alten Zustand. Was jetzt noch fehlt, ist das Zurück-Kopieren der eingangs unter Linux gesicherten Daten. D. h. bis jetzt beträgt die Arbeitszeit des Neuaufsetzens rund 27 Stunden.
Schritt 8 - Der "Feinschliff":
Unter dem "Feinschliff" verstehe ich die Abstimmung der zahlreichen und mittlerweile vorhandenen Komponenten aufeinander. Man kann sich Windows an dieser Stelle ruhig wie ein selbst zusammngeschraubtes Fahrrad vorstellen: Da muss hier noch was weggeschliffen, da was geschmiert und woanders was fixiert werden. Ähnlich ist es mit der Abstimmung der Programme aufeinander. Aufnahmen mit No23Recorder können nicht gelingen, wenn das Systemgepiepse einem dazwischen funkt. Folglich wird das abgeschaltet. Hier noch ein Proxy, da noch ein Babelfish. Das Hintergrundbild ist anzupassen. Zahlreiche Pfade, auf welche verschiedene Programme zugreifen, müssen angepasst werden, damit die Programme "harmonieren". Für die portable Software werden Verknüpfungen und Softwaregruppen angelegt; ebenso für RunIt. Mit dem Tweaker optimiert man das System. Solche Sachen eben. Es ist unmöglich, dazu eine auch nur annähernd exakte Zeitangabe zu machen, weil sich viele versteckte Fallstricke erst im Verlauf der praktischen Arbeit am PC zeigen. Der "Feinschliff" wird sich dadurch immer wochenlang hinziehen. Außerdem kann und wird es passieren, dass sich im Verlauf der praktischen Arbeit das eine oder andere Programm dann doch noch als "unverzichtbar" erweist und nachinstalliert werden muss - was selbstverständlich auch wieder Zeit kostet.
So, das war jetzt meine "Protokollierung" des Neuaufsetzens vom Windows XP. So quasi als grober Leitfaden für alle die, denen so etwas auch passiert. Bitte beachten, dass die o. a. Zeitangabe von 27 Stunden an reiner Arbeitszeit EINZIG NUR UNTER OPTIMALBEDINGUNGEN gilt! D. h. sie gilt lediglich für den Fall, dass man vorgesorgt und alle notwendigen "Werkzeuge" griffbereit hat sowie dass man sich mit der eigenen Maschine halbwegs auskennt. Bis zum nächsten Crash ... BTW: Lt. Microsoft läuft der Support für Windows XP noch bis 2014. Wer sich also sein "Notfall-Werkzeug" noch nicht zusammengesucht haben sollte, der hat dafür bloß noch zwei Jahre Zeit!
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